Berlin setzt weiter auf neue Konsum-Tempel

23.04.2004

In Berlin ist gut einkaufen: auf Kudamm und Tauentzien, in der Friedrichstraße und den Hackeschen Höfen, in der Rosenthaler oder der Neuen Schönhauser Straße, der Wilmersdorfer und der Schlossstraße. Nicht zu vergessen die rund 30 Einkaufszentren, die sich über ganz Berlin verteilen. Wie kaum anderswo zerfällt die Einkaufsstadt Berlin in viele kleine Einzelstandorte

 

HB/wik DÜSSELDORF.„Der Markt ist atomisiert“, sagt Andreas Kogge, Geschäftsführer von Kemper's City Makler in Berlin. Zwar sei das Einzelhandelsgeschehen seit jeher stark auf die Bezirke konzentriert gewesen, doch insbesondere die Inflation der Shopping-Center mache den gewachsenen Einkaufsstraßen mächtig zu schaffen. „Die Spandauer Altstadt funktioniert nicht mehr, auch Karl-Marx-Straße, Tempelhofer Damm oder Turmstraße im Süden haben große Probleme.“

 

Fast eine halbe Million Quadratmeter überschüssige Einkaufsfläche zählen die Statistiker. Gemessen an der Kaufkraft der Berliner Bevölkerung würden die insgesamt 4,2 Mill. Quadratmeter Einzelhandelsfläche bis ins Jahr 2010 ausreichen, um die Hauptstadtbewohner mit einem angemessenen Warenangebot zu versorgen, so der Gesamtverband des Berliner Einzelhandels (GdE) in seinem aktuellen „Zentrenatlas“.

 

Dennoch wird munter weiter geplant: 62  000 Quadratmeter Fläche sollen am Alexanderplatz entstehen, allein 36  000 will der portugiesische Shoppingcenter-Multi Sonae mit seiner „Banane“ an Gruner-, Dircksen- und Alexanderstraße beisteuern. Und auch im Westen der Stadt wollen sich Entwickler nicht lumpen lassen: Der „Zoobogen“ am Hardenbergplatz/Budapester Straße, das „Schimmelpfenghaus“ und eine Passage im Haus Cumberland sind hier die derzeit wichtigsten Einzelhandelsbaustellen.

 

Ob sich die Ausweitung des Flächenangebots am Ende für Investoren wie Projektentwickler auszahlt, bleibt aber fraglich. Am Alexanderplatz jedenfalls gibt es zur Zeit nicht viel mehr als Absichtserklärungen. Wann und ob überhaupt Sonae mit seiner „Banane“ Ernst macht, ist noch keineswegs ausgemacht. Wenn man wie angekündigt bis zur Fußball-WM 2006 fertig sein will, müssten eigentlich längst die Bagger anrollen. Grund genug für potenzielle Mieter abzuwarten: Sie wollen sich am besten Standort die beste Fläche sichern. 

 

Das riesige Flächenüberangebot, dazu die schwierige Situation des Einzelhandels und eine vergleichsweise geringe Kaufkraft haben die Spitzenmieten in der Bundeshauptstadt zuletzt einbrechen lassen. Um rund zehn Prozent, so die Analyse der Bulwien AG, seien sie 2003 im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Steigerungen erwarten die Immobilienmarktexperten frühestens ab 2005, an Dynamik gewinnen könnte der Markt ab 2008. Immerhin sei der Einwohnerschwund in der Hauptstadt seit 2001 gestoppt, bis 2010 werden in Berlin sogar Einwohnerzuwächse prognostiziert. Derzeit jedoch, so Kemper's-Geschäftsführer Kogge, „werden wenige Flächen zu den gleichen Kondition weiter vermietet wie zuvor.“ Er glaubt daher nicht an einen raschen Wandel, erst recht nicht für die B-Lagen.

 

Quelle: Handelsblatt

Share on Facebook
Share on Twitter
share on linkedIn
Please reload

Weitere Beiträge
Please reload

Empfohlene Einträge