Studie der TU Berlin Auf der Suche nach dem Zukunftsticket für die BVG

22.02.2017

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Wie soll es aussehen, das Berliner Nahverkehrssystem der Zukunft? Mit Papier- oder mit E-Tickets, anonym oder mit personalisierten Daten? Die Technische Universität hat es jetzt mal wissenschaftlich angepackt - und ein großes Mitmachprojekt daraus gemacht.

 

Über die Digitalisierung beim Berliner Nahverkehrssystem ist schon öfter nachgedacht worden, und mittlerweile kann man sich per Handy-App ja auch Fahrkarten kaufen. Jetzt hat sich ein Projektteam der TU Berlin noch einmal zusammen mit vielen anderen darüber Gedanken gemacht. Ein Ergebnis ist auf jeden Fall die Erkenntnis, dass viele Berliner U-Bahnfahrgäste nichts gegen ein E- Ticketsystem einzuwenden hätten – das ergab eine Befragung von 1.200 Menschen in der Berliner U-Bahn.

 

Ideensammlung im Netz

Sehr viel offener formuliert war die Fragestellung für ein ebenfalls von der TU initiiertes Onlineforum – da konnten ganz allgemein Vorschläge für die Zukunft des Berliner Nahverkehrssystems gemacht werden. Die Ideensammlung, die daraus entstanden ist, liest sich kurzweilig und enthält auch alte Bekannte - zum Beispiel den Vorschlag, den ganzen ÖPNV kostenfrei zu machen. Die Idee ist so alt, wie viele sie gut finden. Durchgesetzt hat sie sich bisher nicht, aber sie taucht auch auf der politischen Bühne immer wieder auf, zuletzt von Seiten der Piraten.

Eher neu und sehr charmant ist der Vorschlag der gegenseitigen Anerkennung von Nahverkehrs-Abos: Einfach mit dem Berliner BVG- Abo in den Nahverkehrsnetzen von München, Hamburg und Köln cruisen - und umgekehrt.

Ein weiterer Vorschlag ist die Berlin-Jahrescard, um Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen: Alle Berliner – und Berlinerinnen – müssten eine solche kaufen, egal ob sie den ÖPNV dann auch nutzen oder nicht.

 

Freien Platz mit Radar finden

Ein anderer Beteiligter im Onlineforum will mehr Technik einsetzen, um freie Plätze in der U-Bahn zu ermitteln. Per Radar wird festgestellt, in welchem Wagen Platz ist und das Ganze dann auf einer Anzeigetafel auf dem Bahnsteig der nächsten Station angezeigt. Dann können sich alle schon mal mit Kinderwagen und Fahrrad an die richtige Tür stellen.

 

Etwas schlichter kommt der folgende Vorschlag daher: Eine Zehnerkarte aus Papier, so wie früher. Einfach vor der nächsten Fahrt umknicken und wieder abstempeln – das spare Ressourcen.

 

Noch mehr Papier spart natürlich die ultimative E-Card, mit der man nicht nur U-Bahn fährt sondern am Kiosk auch gleich noch die Zeitung kaufen kann – nach Art der sogenannten Octopus-Karte, die in Hongkong bereits im Einsatz ist. Auch das wird vorgeschlagen im Onlineforum, genauso wie die Oyster-Card aus London oder das checkin-checkout System, das in Amsterdam praktiziert wird. 

 

Bürgergutachten macht Vorschläge

Es gibt also reichlich Stoff und Vorschläge für die Verkehrsverantwortlichen. Diese haben am Dienstagabend mit einem sogenannten Bürgergutachten nun eine gebündelte Entscheidungshilfe an die Hand bekommen. Dafür haben unter Leitung des Projektteams 23 zufällig ausgewählte Bürger über Vor- und Nachteile verschiedener Bezahl- und Zugangssysteme diskutiert. Ihre Empfehlung: Der ÖPNV soll offen bleiben (also keine Schranken oder Drehkreuze wie in London oder Paris bekommen), der Datenschutz soll gewahrt werden (also keine personalisierten Bezahlsysteme), der Ticketkauf muss einfach sein genauso wie das Tarifsystem und es soll wieder mehr Personal auf die Bahnsteige. 

 

Mal sehen, was die BVG draus macht. 

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