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Der Mann, der Berlin zum Leuchten bringt

26.02.2017

 

Der Lichtdesigner Andreas Boehlke ist in der Hauptstadt durch das „Festival of Lights“ bekannt geworden. Ein Treffen. (von Christine Richter)

 

Es stürmt. Ein kalter Ostwind weht, glücklicherweise hat der strömende Regen aufgehört. Treffpunkt mit Andreas Boehlke, Unternehmer und der Lichter-Mann von Berlin, ist das Brandenburger Tor. Der Fotograf macht erst einmal Fotos, bevor wir unseren Spaziergang durch Mitte beginnen. Boehlke, 50 Jahre alt, hat sich schick gemacht. Wie immer.

 

Nadelstreifenanzug, weißes Hemd mit den Initialen A. B. eingestickt auf den Manschetten, große, edle Manschettenknöpfe, Einstecktuch, eine goldene Uhr, darüber ein schwerer schwarzer Mantel. Die Passanten auf dem Pariser Platz schauen, wer das wohl ist? Kennt man ihn? "Ja", sagt er. Und er kennt alle.

 

Boehlke hat sich, so kann man das sagen, hochgearbeitet. Geboren in Wedding, aufgewachsen in Reinickendorf. "Ich bin einer der wenigen gebürtigen Berliner", sagt Boehlke und lächelt. In Heiligensee ging er zur Schule, machte einen Realschulabschluss. "Das war damals okay", sagt er rückblickend. Den Einwurf, dass sei auch heute noch völlig in Ordnung, lässt er nicht gelten. "Heute muss man schon einen Gymnasialabschluss haben." Schon während der Schulzeit half er im Betrieb seines Großvaters, mit 14,5 Jahren begann er dort seine Ausbildung. 

 

Warum? "Ich wusste nicht, was ich machen sollte, mein Großvater sagte, ich solle eine Ausbildung zum Elektroinstallateur machen, das sei was Vernünftiges, dann könne ich ja immer noch sehen." Und, war das gut, der Eintritt ins Berufsleben im familiären Unternehmen? "Das war nicht immer die beste Idee", sagt Boehlke ganz offen. Mit dem Vater gab es viele Auseinandersetzungen, der fand nicht alles gut, was der Sohn vorhatte. "Ich hatte Visionen, mein Vater hat gesagt: 'Das haben wir doch seit 20 Jahren so gemacht.'" Der Großvater dagegen lässt den Jungen machen. Es ist ein kleiner Betrieb, drei Gesellen und ein Lehrling ("Das war ich").

 

"Ich habe nur aus dem Koffer gelebt"

Boehlke hält durch – und bleibt. Bis heute. Nach dem Ausscheiden des Großvaters und des Vaters übernimmt er das Unternehmen "Hans Boehlke. Elektroinstallationen", entwickelt die Sparte Lichtdesign deutlich weiter. "Mit den neuen Möglichkeiten, LED-Leuchten und vielem anderen, konnte man ja dann sehr viel mehr machen", sagt er. Die ersten Berufsjahre ist er weltweit auf Messen unterwegs, wo das Unternehmen Boehlke für die ausstellenden Firmen die Messestände beleuchtet. Es geht nach Mexiko, Japan, Korea, Brasilien. "Ich habe nur aus dem Koffer gelebt", erinnert er sich. "Das war eine extrem stressige, aber auch eine tolle Zeit." Auch heute noch ist das Messegeschäft eines der wichtigen Standbeine der Firma. 

 

Auf der kommenden Cebit in Hannover ist Boehlke für die Beleuchtung des Telekomstandes verantwortlich, man arbeitet für VW, Mercedes, viele andere Firmen. Und wo verortet er sein Unternehmen im deutschlandweiten Vergleich? "Es gibt drei Firmen, wir spielen schon in einer besonderen Liga, es ist ein spezieller Bereich, das Messegeschäft." Ein Beispiel: Boehlke und seine Mitarbeiter schließen bei Messeständen keine Lampen oder Kabel mehr fest an, alles wird gesteckt. "Das ist wichtig, so kann man viel schneller auf- und abbauen, man ist viel flexibler." Das Lager des Unternehmens, dessen Büro noch immer in Reinickendorf ist, befindet sich seit einigen Jahren im brandenburgischen Oberkrämer, dort lagern allein 60 Tonnen Kabelmaterial, Tausende Leuchtartikel wie auch die Weihnachtsbeleuchtung.

 

In diesem Job muss man sich immer wieder neu beweisen

Boehlke mag seinen Job. Auch wenn er keinen Hehl daraus macht, dass es anstrengend ist. Weil man sich immer wieder auf dem Markt beweisen muss, weil man die Ausschreibungen gewinnen muss, weil im Sommer weniger Licht gebraucht wird, weil es schwierig wird, gutes Fachpersonal zu finden. "Ich brauche Veranstaltungstechniker oder Elektroinstallateure, ich würde mich ja freuen, wenn die jungen Leute sich dafür interessieren würden", sagt er. "Aber für die jungen Leute ist es ganz wichtig, viel Freizeit zu haben." Das war bei ihm nicht so. Er wollte arbeiten, er wollte Erfolg haben. "Ich bin ja ein dummer Mensch", kokettiert Boehlke ein bisschen mit seinem Schulabschluss und seiner Ausbildung. "Ich habe mir alles selbst beigebracht. Durch sehr viel Fleiß. Durch meine Neugierde. Ich habe immer sehr viel gearbeitet."

 

In dem Unternehmen sind inzwischen 25 feste Mitarbeiter beschäftigt. Aber in der Weihnachtszeit, wenn der Kudamm beleuchtet wird, wenn die Kantstraße und Unter den Linden blinkt und glitzert, dann arbeiten bis zu 300 Menschen für Boehlke. Nicht nur in der Firma, auch in Berlin hat sich Boehlke immer viel engagiert. Und kontinuierlich sein Netzwerk ausgebaut. Wer in der Berliner Gesellschaft etwas zu sagen hat, kennt ihn. Er ist auf jeder wichtigen Veranstaltung dabei, beim VBKI-Ball (selbstverständlich im Frack), dem Ball der Wirtschaft, der zu den gesellschaftlichen Höhepunkten in Berlin zählt, aber auch bei jedem Neujahrsempfang oder Sommerfest; er wird eingeladen und als Gesprächspartner geschätzt. Das liegt auch daran, dass er, der Berliner, sich so sehr für seine Stadt engagiert. "Ich liebe Berlin", sagt er – und schweigt kurz. Damit ist doch alles gesagt. Boehlke schaut einen direkt an. Oder muss man mehr sagen? Muss man nicht.

 

Vielen in Berlin wurde Boehlke durch das "Festival of Lights" bekannt. 2004 hatten Siegfried Helias, Bernd Andrich und er die Idee für ein Lichterfest, wie es das auch im französischen Lyon gibt. Über die City-Stiftung-Berlin starteten die drei damals, Anfang des Jahres 2004, einen Ideenwettbewerb; und stellten die zehn besten Entwürfe für Lichtinstallationen in Berlin vor. Die öffentliche Resonanz war groß, obwohl noch gar kein Gebäude illuminiert war. "Da habe ich gesagt, lass uns das machen", erinnert sich Boehlke. Es wurden Sponsoren gesucht – und im Oktober wurden Gebäude wie der Berliner Dom angeleuchtet. Dazu gab es Fachvorträge, Diskussionen. "Es war ein richtiges Lichterfest." So hieß es damals auch.

 

Die Sponsorensuche ist gar nicht so einfach

Dann wurde es umbenannt in "Festival of Lights" – und von Jahr zu Jahr größer. Die Stiftung als Veranstalter arbeitete ab 2005 mit einer Agentur zusammen, doch mit dieser gab es in den darauffolgenden Jahren Auseinandersetzungen, die City-Stiftung-Berlin mit Helias, Andrich und Boehlke beendeten die Zusammenarbeit – und die drei mussten erfahren, dass sich die Agenturchefin, Birgit Zander, die Markenrechte als "Festival of Lights" gesichert hatte. Was folgte, waren viele Gespräche und Diskussionen mit allen Beteiligten. Um die Sache kurz zu machen: Boehlke und seine Unterstützer gründeten schließlich den Verein "Berlin leuchtet", der nach wie vor mit Hilfe von Sponsoren Gebäude im Herbst beleuchtet und Berlin in der dunklen Jahreszeit erstrahlen lässt. 

 

Birgit Zander veranstaltet nach wie vor das "Festival of Lights" – zur gleichen Zeit, jedoch über einen kürzeren Zeitraum und mit weniger Objekten, zu denen aber beispielsweise der Fernsehturm in Mitte zählt. Den Berlinern und Touristen ist es gleichgültig, wer für das Lichterfest im Herbst verantwortlich ist. Und den Verantwortlichen der Stadt auch. Die illuminierten Gebäude wie der Berliner Dom oder das Brandenburger Tor, die Fassaden am Potsdamer Platz oder der Fernsehturm ziehen jedes Jahr Tausende Menschen an. "Ich freue mich immer, wenn ich die vielen Menschen sehe, die die Gebäude fotografieren", sagt Boehlke. Und eins ist ihm auch wichtig: "Ich habe damit nie Geld verdient. Ich mache das für die Stadt. Ich mag die Stadt."

 

So engagiert sich Boehlke weiterhin im Verein "Berlin leuchtet" und trägt dort unverändert die Verantwortung für das Lichterfest. "Mit vollem Risiko." Auch in diesem Jahr wird Berlin wieder bunt erleuchten – vom 29. September bis zum 15. Oktober. Und Boehlke freut sich schon auf die nächste Herausforderung: Auch Potsdam will in diesem Jahr ein größeres Lichterfest veranstalten. Im vergangenen Jahr gab es Beleuchtungen im Holländischen Viertel, nun sollen es mehr Gebäude werden. Vom 3. bis 5 November soll die benachbarte Landeshauptstadt erstrahlen. "Das wird gut", sagt Boehlke.

"Ich will, dass mich die Menschen mögen"

Er ist, das wird bei jedem Treffen, bei jedem Gespräch mit ihm deutlich, ein optimistischer Mensch. Ein gut gelaunter. "Ich bin Krebs", sagt Boehlke, wenn man ihn nach seiner immer guten Stimmungslage fragt. "Und als Krebs bin ich ein Mimöschen", sagt er und lacht. "Ich will, dass mich die Menschen mögen." Und so gibt es kaum jemanden, über den er schlecht redet. "Ich mag die Menschen, ich mag den Austausch mit ihnen. Das macht mir Freude."

Anders geht das wohl auch nicht – nicht in diesem Job und nicht bei seinem ehrenamtlichen Engagement. Wir sind im Café Einstein angekommen und reden bei Latte macchiato und Rotbusch-Tee mit flüssiger Sahne über Berlin, über das Lichterfest, über die Beleuchtung des Brandenburger Tors nach Terroranschlägen. Im Einstein, wo sich so viele Politiker, Wirtschaftsvertreter und Journalisten treffen, ist Boehlke selten. Wo dann? "Im Capital Club."

Der Club liegt am Gendarmenmarkt und wurde im Jahr 2001 als privater Businessclub von Jörg Woltmann, seit einigen Jahren Chef der Königlichen Porzellan Manufaktur (KPM), und dem ehemaligen Bahnchef Heinz Dürr gegründet. Boehlke ist mit Woltmann und Club-Manager Manfred Gugerel befreundet. "Der Club ist mein zweites Büro", sagt der 50-Jährige. Dort ist er mindestens zweimal in der Woche und macht dann pro Tag sechs bis acht Kundentermine. "Mein Tisch ist 'Tisch 6', hinten an der KPM-Vitrine", erzählt er. Das wissen alle – und sollte der Tisch besetzt sein, dann gibt es schon mal Gelächter.

 

Alle Vornamen beginnen mit einem A

Und dann ist da noch der Lions Club. Im kommenden Jahr wird Boehlke der sogenannte Gouverneur für Berlin und Brandenburg, ein Amt, in das man berufen wird und das man ein Jahr ausübt. Alle hundert Lions Clubs in Berlin und Brandenburg muss er innerhalb dieser Zeit besuchen. "Es ist mir Ehre und Verpflichtung zugleich", sagt Boehlke und meint das ganz ernst.

 

"Langweilen Sie sich zu Hause?" Die Frage muss man stellen, sie überrascht ihn auch nicht. "Nein", betont Boehlke. Er versucht auch, mehr zu Hause bei der Familie zu sein. Nach den drei Töchtern kam vor eineinhalb Jahren noch der Nachzügler, Sohn Adrian, zur Welt. In der Familie Boehlke beginnen übrigens alle Vornamen mit A. "Andreas, meine Frau heißt Anke, dann die Alina, Alexa, Amelie und nun Adrian", erzählt er. Das muss man mögen. 

 

"Ja", sagt Boehlke. Bei der ersten, der heute 15-jährigen Tochter konnten er und seine Frau sich nicht auf einen Namen einigen, erst die Entscheidung für das A brachte den Durchbruch. "Und so haben wir es dann auch bei den anderen Kindern gemacht", sagt Boehlke und schwärmt von seiner Familie, den Kindern, seiner Frau, von dem bevorstehenden Hochzeitstag – der auf denselben Tag fällt wie der Hochzeitstags seines Großvaters und Vaters. Warum das? "Ich bin Traditionalist", sagt Boehlke. Man glaubt ihm jedes Wort.

 

Zur Person:

Privat Andreas Boehlke ist gebürtiger Berliner: Am 14. Juli 1966 in Wedding geboren, aufgewachsen in Reinickendorf, genauer gesagt in Heiligensee. Heute lebt er mit seiner Frau und seinen vier Kindern in Frohnau.

 

Beruf Nach dem Abschluss der Realschule begann Boehlke eine Lehre zum Elektroinstallateur im Betrieb, der 1946 von seinem Großvater gegründet worden war. In dem kleinen Betrieb mit drei Gesellen arbeiteten Großvater und Vater. Boehlke übernahm das Unternehmen später und baute vor allem den Bereich Lichtdesign auf.

Licht In Berlin ist Boehlke auch durch das "Festival of Lights" bekannt geworden. Nach einer Auseinandersetzung mit der Agentur, die damals von Boehlke und seinen Mitstreitern beauftragt war und die sich in dieser Zeit die Markenrechte am "Festival of Lights" gesichert hatte, ist er inzwischen für die Veranstaltung "Berlin leuchtet" verantwortlich.

 

Spaziergang Wir haben uns an einem stürmischen und regnerischen Tag am Brandenburger Tor getroffen, wo Boehlke regelmäßig Lichtinstallationen umsetzt. Von dort ging es durch ein kleines Stück Tiergarten zum Reichstag, dann weiter bis zur Neustädtischen Kirchstraße und anschließend zum Aufwärmen ins Café Einstein Unter den Linden.

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