KONTAKT

DIE MITTE e.V. - 360° Berlin 

Friedrichstraße 95 , 10117 Berlin

T 030 20962390

M info@die-mitte.berlin

  • https://www.facebook.com/DieMitte.Be
  • DIE MITTE bei twitter
  • linkedin.com/company/die-mitte-berli
  • XING
  • DIE MITTE News Feed
  • Instagram
  • DIE MITTE auf Youtube
  • Mitglieder Gruppe bei Facebook
  • Mitglieder Gruppe bei LinkedIn

„Jede Art von Kunst ist Kultur“

06.04.2013

Quelle:

 

Ballettdirektorin Alexandra Georgieva über das Image des Friedrichstadt-Palastes 

 

Seit fünf Jahren ist Alexandra Georgieva Ballettdirektorin am Friedrichstadt-Palast. Davor hatte die gebürtige Ungarin dort 18 Jahre lang als Tänzerin gearbeitet. Anne Pauly sprach mit der 46-Jährigen über ihre Karriere und Krisenzeiten.

 

Die Welt:

Manche äußern sich abfällig über den Friedrichstadt-Palast als „Edel-DDR-Platte“, oder kritisieren, dass hier Rentner-Reisebusladungen aus der Provinz abgeworfen würden. Wie gehen Sie damit um?

 

Ich lache darüber: Leute, kommt rein und seht es selbst. Ich bin der Meinung, unser Haus kann jedem etwas geben. Ich habe kein Problem damit, wenn das nicht jedermanns Geschmack ist und natürlich darf kritisiert werden. Wenn sich die Konservativen dann doch mal hierher trauen, sind sie meist überrascht und begeistert. Gucken Sie sich die Zahlen an. Wir sind glücklich. Es ist mir fast schon unheimlich, wie gut es zur Zeit läuft.

 

So manch Kulturschaffender meint, das sei nicht Kultur, was auf Ihrer Bühne stattfindet.

Wie definieren wir denn Kultur?

 

Für mich ist jede Art von Kunst Kultur. Was gibt es denn Schöneres als nach der Volksbühne oder der Philharmonie auch mal in den Friedrichstadt-Palast zu gehen und sich eine effektvolle Show anzusehen? Die Aussage ist im Theater eben eine andere als bei uns.

 

Wie sind Sie zum Tanz gekommen?

 

Sobald wir Gäste im Haus hatten, habe ich als kleines Mädchen schon während des Essens gesagt: „Ich würde gern ein Tänzchen für euch vorführen“. Es war mir schon immer ein Bedürfnis, mich durch den Tanz auszudrücken. Meine Mutter wollte, dass ich Piano spiele. Ich stimmte zu, unter der Bedingung, dass ich Tanzunterricht nehmen durfte.

 

Wie sind Sie nach der Ausbildung an der Ballett- und Choreographieschule in Sofia nach Berlin gekommen?

 

Mein Bruder ist schuld. Ich hätte diesen Schritt nie gewagt. Ich war 23 Jahre alt, verheiratet und hatte eine zweijährige Tochter. Ich war die jüngste Solotänzerin in dem Musicaltheater in Sofia. Mein jüngerer Bruder hatte ein Engagement am Schweriner Staatstheater. Ich besuchte ihn 1990. Danach ging ich spaßeshalber zum Vortanzen im Friedrichstadt-Palast. Ich war eine von Hunderten. Sie wollten mich sofort. Ich wollte es für ein paar Monate probieren. Daraus sind jetzt 23 Jahre geworden.

 

Wie war die Stimmung hier im Haus nach der Wende?

 

Wir waren in unserer eigenen Welt. Wir waren immer in Glitzer und Glamour. Das war fantastisch. Allerdings war diese graue sozialistische Welt auf der einen Seite sehr bedrückend, im Vergleich zu den bunten Lichtern auf der anderen. Aber fünf, sechs Jahre später verschmolzen die Seiten miteinander.

 

Können Sie sich an Ihren ersten Auftritt im Friedrichstadtpalast erinnern?

 

Ja! Das war in der Girlreihe. Dem Markenzeichen des Hauses. Wir waren als Stewardessen verkleidet und mussten ein wenig Playback singen. Es war magisch.

 

Was ist die Herausforderung bei der Girlreihe?

 

Der Girltanz ist eine pure mathematische und grafische Aufgabe. Das funktioniert nur mit einer perfekten Zahl: 32. Girltanz ist extrem schwierig. Das ist nicht einfach nur Beinchen hoch. Die Haltung, die Absätze, die Formation, die perfekte Linie. Es sieht zwar so aus, als stützten sich die Mädchen gegenseitig, aber würden sie das tun, würden sie wackeln. Jede tanzt für sich.

 

Wie war die Stimmung, als der Friedrichstadt-Palast in der Krise steckte?

 

Man hat sich gefragt: Wo geht es hin? Lösen sie uns auf? Alle waren unruhig und hatten Angst. Wir haben auf der Bühne trotzdem immer 100 Prozent gegeben, aber die Leute waren nur zufrieden. Das reichte nicht. Sie müssen begeistert sein. Wir merkten, dass die Shows so konzipiert waren, dass es dem Publikum nicht gefällt. Wir spürten, dass wir frischer und moderner werden müssen. Die Stimmung war down. Dann kam der Intendantenwechsel von Münstermann zu Schmidt. Er war der Retter.

 

Quelle: Die WELT

Share on Facebook
Share on Twitter
share on linkedIn
Please reload

Weitere Beiträge
Please reload

Empfohlene Einträge