Richard von Weizsäcker am Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990


Die Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zum Festakt der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 in der Berliner Philharmonie.

In der Präambel unserer Verfassung, wie sie nun für alle Deutschen gilt, ist das Entscheidende gesagt, was uns am heutigen Tag bewegt:

In freier Selbstbestimmung vollenden wir die Einheit und Freiheit Deutschlands. Wir wollen in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt dienen. Für unsere Aufgaben sind wir uns der Verantwortung vor Gott und den Menschen bewußt.

Aus ganzem Herzen empfinden wir Dankbarkeit und Freude - und zugleich unsere große und ernste Verpflichtung. Die Geschichte in Europa und in Deutschland bietet uns jetzt eine Chance, wie es sie bisher nicht gab. Wir erleben eine der sehr seltenen historischen Phasen, in denen wirklich etwas zum Guten verändert werden kann. Lassen Sie uns keinen Augenblick vergessen, was dies für uns bedeutet.

Es gibt drinnen und draußen drückende Sorgen; das übersehen wir nicht. Vorbehalte unserer Nachbarn nehmen wir ernst. Auch spüren wir, wie schwierig es sein wird, den Erwartungen gerecht zu werden, die uns aus allen Himmelsrichtungen erreichen. Aber wir wollen und werden uns nicht von Ängsten und Zweifeln leiten lassen, sondern von Zuversicht. Entscheidend ist der feste Wille, unsere Aufgaben mit Klarheit zu erkennen und gemeinsam in Angriff zu nehmen. Dieser Wille gibt uns Kraft, die Alltagssorgen ins rechte Verhältnis zu bringen mit unserer Herkunft und Zukunft in Europa.

Zum ersten Mal bilden wir Deutschen keinen Streitpunkt auf der europäischen Tagesordnung. Unsere Einheit wurde niemandem aufgezwungen, sondern friedlich vereinbart. Sie ist Teil eines gesamteuropäischen geschichtlichen Prozesses, der die Freiheit der Völker und eine neue Friedensordnung unseres Kontinents zum Ziel hat. Diesem Ziel wollen wir Deutschen dienen. Ihm ist unsere Einheit gewidmet.

Wir haben jetzt einen Staat, den wir selbst nicht mehr als provisorisch ansehen und dessen Identität und Integrität von unseren Nachbarn nicht mehr bestritten wird. Am heutigen Tag findet die vereinte deutsche Nation ihren anerkannten Platz in Europa.

Es handelt sich hier um einen Auszug. Die gesamte Rede Richard von Weizsäckers haben wir als Download für Sie.

DER BEITRITT

Der Einigungsvertrag wird am 31. August 1990 von den Verhandlungsführern der DDR und der Bundesrepublik in Ost-Berlin im Kronprinzenpalais Unter den Linden unterschrieben. Darin ist festgelegt, dass der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes am 3. Oktober 1990 um 0:00 Uhr erfolgt. Zugleich wird das Beitrittsdatum als „Tag der Deutschen Einheit“ zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Nach der Zustimmung von Volkskammer und Bundestag steht endgültig fest: Erstmals am Mittwoch, den 3. Oktober 1990, haben alle Deutschen frei.

Die zentralen Feierlichkeiten finden am 3. Oktober 1990 zwischen dem Reichstag und dem Alexanderplatz statt. Im Vorfeld berichtet der Rundfunk im Amerikanischen Sektor (RIAS) von den Erwartungen einer Ost-Berliner Familie und von Ost-Berliner Schülerinnen und Schülern. Jedoch nicht nur in Berlin, sondern auch entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze und in den großen Städten der DDR sind Feierlichkeiten geplant.

Der zentrale Festakt der DDR-Regierung ist auf den 2. Oktober 1990 terminiert, während die Feierlichkeiten der Bundesregierung am 3. Oktober in der Berliner Philharmonie stattfinden. Mit dem Beitritt enden die alliierten Sonderregelungen für Berlin. Am Morgen des 2. Oktober 1990 werden der britische, amerikanische und französische Stadtkommandant verabschiedet.

Mit dem 2. Oktober wird auch die Nationale Volksarmee (NVA) aufgelöst. Die NVA-Angehörigen werden aus ihren bisherigen Verpflichtungen entlassen und unter die Führung des Bundeswehrkommando-Ost gestellt. Auch die diplomatische Vertretung der DDR in Bonn und die ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin stellen ihre Tätigkeiten ein.

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