Straßenmusik in Berlin: Musiker klagen über zu strenge Regeln der Behörden


An diesem Abend müssen sie nicht fürchten, vertrieben zu werden. Oder dass jemand vom Ordnungsamt ihnen ein hohes Bußgeld androht. Im Gegenteil: Ihr Auftritt ist willkommen, sie stehen einen Abend lang auf einer Bühne und die Zuschauer haben sogar Eintritt bezahlt, um ihre Lieder zu hören.

Song Slam heißt eine neue Veranstaltungsreihe im Friedrichshainer Club Cassiopeia auf dem RAW-Gelände, die sich um talentierte Straßenmusiker kümmert. Junge, meist noch unbekannte Singer und Songwriter treten mit ihren Liedern gegeneinander an, wie man es schon von Wettkämpfen beim Poetry Slam und von Rappern kennt. Das Publikum übernimmt die Jury.

Kleingeld im Hut

Die meisten Künstler, die am Dienstagabend im Cassiopeia auftreten, machen Musik auf der Straße. Sie spielen in Einkaufspassagen, auf Brücken und gut besuchten Plätzen wie dem Alex oder rund um die Oberbaumbrücke. Manche dürfen auch mal in Kneipen und Bars Musik machen, dafür bekommen sie dann ein Bier und etwas Kleingeld. „Straßenmusiker sind bescheiden und zufrieden mit etwas Kleingeld im Hut oder wenn der Wirt ihnen nach dem Auftritt ein Bier spendiert“, sagt Lukas Hamm.

Der 28-jährige Toningenieur hat mit seinem WG-Mitbewohner Thorsten Noack den Song Slam für Straßenmusiker organisiert. Die beiden gehören zum Asphalt Kollektiv Berlin, das Straßenmusiker fördern will. „Bei uns bekommen sie eine Bühne für ihre Kunst. Da sind große Talente unterwegs, doch sie werden oft nicht gewürdigt“, sagt Lukas Hamm. Meist seien Straßenmusiker nur „Nebenbei-Beschallung.“

Für die Auswahl der 16 Teilnehmer des Songs Slams haben die Veranstalter ein paar Kriterien festgelegt. So muss jeder Künstler eigene Songs spielen, keine Coversongs anderer Bands. Und es geht auch nicht nur um Liebeslieder zur Gitarre, sondern um eine gute Mischung und abwechslungsreiche Musik für die Zuschauer.

Das Publikum stimmt nach den wechselseitigen Auftritten über ihre Favoriten ab. Die vier Tagessieger treffen sich dann zum Finale im Oktober. Der Gewinner dieses Abends erhält den „goldenen Pokal der Straße“.

Ordnungsämter agieren unterschiedlich

In Metropolen wie Berlin gehören Straßenmusiker längst zum alltäglichen Straßenbild. Doch die Musiker beklagen, dass es in Berlin keine einheitlichen Regelungen gibt, wer wann wo zu welchen Zeiten und wie oft spielen darf. Oder eben nicht.

Es ist tatsächlich kompliziert, denn beim Thema Straßenmusik gelten gleich zwei gesetzliche Bestimmungen: Das Lärmschutzgesetz und das Berliner Straßengesetz. Für den Lärmschutz sind die Natur- und Grünflächenämter der zwölf Bezirke zuständig. Sie erteilen die Genehmigungen. Die Einhaltung des Straßengesetzes kontrollieren die Ordnungsämter.

Die Behörden können die Gesetze unterschiedlich rigoros interpretieren und anwenden. Und das tut dann auch jeder Bezirk auf seine Weise. „Es gilt die Faustregel: Verboten ist nicht das Musizieren an sich, sondern das, was stört“, heißt es etwa aus dem Bezirksamt Mitte. Dezente Musik sei okay, Trommler hätten es hingegen schwerer. Die Stadt sei schon laut genug.

Verstärker auf dem Rücken

Straßenmusiker zahlen für eine Erlaubnis 65 Euro. Der Bezirk Mitte erteilt sie lediglich für ein Vierteljahr. Die Musiker dürfen dann einmal pro Woche jeweils eine Stunde lang an einem Ort spielen. Die Erlaubnis gestattet ihnen aber noch längst nicht, Gitarrenkoffer, Geigenkasten oder einen Stuhl abzustellen. Manche tragen ihre Verstärker deswegen auf dem Rücken.

Manche Straßenmusiker empfinden die strengen Regeln der Behörden als Schikane. So hatte das Amtsgericht Tiergarten entschieden, dass die Straßenmusikerin Elen Wendt, die schon in der Casting-Show „The Voice of Germany“ und mit Marius Müller-Westernhagen aufgetreten war, 1000 Euro Bußgeld bezahlen müsse. Sie hatte beim Musikmachen auf dem Alex ihren Gitarrenkoffer und einen Verstärker auf dem Boden abgestellt – ohne Genehmigung. Laut Gericht ist das ein Verstoß gegen das Berliner Straßengesetz.

Vielen Straßenmusikern sind die Genehmigungsverfahren viel zu kompliziert, manchen fehlt zudem das Geld. Sie riskieren, erwischt und bestraft zu werden. „In anderen Ländern genießen Straßenmusiker ein höheres Ansehen“, sagt Lukas Hamm. Für ihn ist klar: „Straßenmusik ist schützenswert, denn sie ist für alle da. Jeder kann sie sich anschauen.“ Ohne Eintritt, aber gern für etwas Kleingeld.

Quelle: Berliner Zeitung

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