Elektroauto: Ladesäulen in deutschen Großstädten


Damit sich das Elektroauto auf breiter Front durchsetzen kann, braucht es Ladepunkte - sowohl am eigenen Auto-Stellplatz als auch im öffentlichen Raum. Letzteres ist in Deutschland ein gewaltiges Problem, wie eine aktuelle Studie zeigt. Doch es gibt Lösungen. (von Sebastian Viehmann)

Norwegen ist das Elektro-Vorzeigeland Europas - jeder dritte Neuwagen fährt dort bereits elektrisch. Der Run auf die Stromer ist so groß, dass bereits zu wenig Ladesäulen zur Verfügung stehen . Die Elektro-Lobby riet kürzlich sogar vorerst dazu, sich erst einmal nur dann ein E-Auto zu kaufen, wenn man dafür einen privaten Stellplatz mit eigener Lademöglichkeit hat. Denn die öffentliche Infrastruktur kommt nicht mit. Und dabei kommt in der norwegischen Hauptstadt Oslo laut Berechnung des Center of Automotive Research (CAR) bereits eine öffentliche Ladesäule auf 488 Einwohner. In Amsterdam sind es 650 Einwohner pro öffentlicher Säule. Beides sind Spitzenwerte, wenn man es mit Deutschland vergleicht.

Elektroautos: Keine Lademöglichkeit - keine Chance

In Deutschland herrscht vielerorts die totale Ladesäulen-Flaute: "In Stuttgart müssen sich mit 2694 Personen viermal so viele Einwohner eine Ladesäule teilen wie in Amsterdam", sagt CAR-Direktor und Emoblitäts-Verfechter Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Wohlgemerkt: Stuttgart ist in Sachen Ladesäulen-Abdeckung der Spitzenreiter, zumindest in der aktuellen Studie.

CAR Elektroauto-Infrastruktur im Vergleich: Öffentliche Ladesäulen in Oslo, Münchenund Stuttgart

In der CAR-Analyse wurde aus den sechs wichtigsten Ladesäulen-Findern (e-stations.de, plugfinder, chargemap, goingelectric, lemnet, plugsurfing) die Ladeinfrastruktur der 50 größten Städte in Deutschland ermittelt. Wichtig dabei zu betonen ist, dass nur öffentliche Ladepunkte ermittelt wurden - Steckdosen in der heimischen Garage oder am eigenen privaten Stellplatz kommen als Lade-Möglichkeiten noch hinzu und gelten als eigentlicher Knackpunkt bei der Verbreitung von E-Autos . Doch gerade im Mieter-Land Deutschland mit seiner geringen Wohneigentums-Quote werden künftig viele Autobesitzer wohl als "Laternen-Parker" auf ebensolche öffentliche Ladesäulen angewiesen sein.

Das Fazit der Studie, bezogen auf 50 deutsche Großstädte: "Auf 22,4 Millionen Einwohner kommen 1897 Ladesäulen. Oder mit anderen Worten: 11.802 Einwohner im Schnitt stehen bildlich gesprochen Schlange an einer Ladesäule. Dabei ist dieser Wert ein Mittelwert (arithmetisches Mittel) aus den genannten sechs Suchplattformen, der große Schwankungen aufweist", sagt Dudenhöffer.

Verbote und Quoten, aber keine Planung

Die Daten sind deshalb nicht abschließend, zeigen aber einen klar erkennbaren Trend - und gleichzeitig ein weiteres Problem: Trotz des von der Bundesregierung ausgerufenen "Millionen-Ziels" (eine Million E-Autos bis 2020) oder dem von den Grünen geforderten Verbrennungsmotor-Verbot ab 2030 gibt es bislang nicht einmal ein einheitliches System, mit dem man bundesweit alle verfügbaren Ladesäulen finden (geschweige denn das Aufladen bezahlen) kann.

Übersicht: Deutsche Großstädte im Ladesäulen-Vergleich

CAR Deutschland hat noch sehr wenige öffentliche Ladesäulen für Elektroautos (Stand: Oktober 2017)

Immerhin: Das Autoland Baden-Württemberg, Heimat von Daimler und Porsche - beide Konzerne investieren gerade massiv in die E-Mobilität - schneidet bei der Anzahl öffentlicher Ladepunkte noch vergleichsweise gut ab. "Sortiert man die Großstädte nach Bundesländern, liegt das Autoland Baden-Württemberg mit seinen Städten Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim und Freiburg bei der wichtigen Kennziffer Einwohner pro Ladesäule klar in Führung. Die 1,46 Millionen Einwohner dieser vier größten Städte haben Zugriff auf 311 öffentliche Ladesäulen. Das entspricht 4701 Einwohnern pro Ladesäule", so die Berechnung des CAR.

Viehmann Wer Elektroautos oder Plug-In-Hybride zuhause oder am Arbeitsplatz laden will, braucht dafür die passenden Stellplätze mit Stromzuleitung vom Hausverteiler

Schlechter steht demnach Bayern da: "Die Großstädte München, Nürnberg und Augsburg stehen mit gemeinsam 164 Ladesäulen und 13.686 Einwohnern pro Ladesäulen kaum besser da als die ostdeutschen Länder, das strukturschwache Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein oder Nordrhein-Westfalen", so Ferdinand Dudenhöffers Einschätzung.

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Lösungen für mehr Ladepunkte

So dramatisch die Zahlen erscheinen: Lösungen für das Problem gibt es viele. Quoten, einseitige Förderung oder Verbrenner-Verbote erscheinen dabei kaum als sinnvoller Weg, wird doch kaum ein Autofahrer einsehen, warum er seinen Benziner, Diesel oder Hybriden aus ideologischen Gründen angesichts einer perfekten Tankstellen-Infrastruktur gegen einen batterielektrischen Stromer austauschen sollte, bei dem die Infrastruktur ein einziges Chaos ist.

Wobei sich die Frage stellt, wie viele öffentliche Stationen überhaupt nötig sind. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zum Beispiel geht in einer Analyse davon aus, dass gar nicht so viele öffentliche Zapfpunkte gebraucht werden. "Das Forscherteam ermittelte für eine Million Elektrofahrzeuge einen Bedarf von etwa 33.000 öffentlichen- und sogenannten halböffentlichen (zum Beispiel beim Einkaufen) Ladepunkten für den Alltagsverkehr. Bei Wegen von mehr als 100 Kilometern Länge (Fernverkehr) werden bis 2020 etwa 2600 öffentliche Ladepunkte benötigt. Zusätzlich dazu sind bis zu 4000 Schnellladepunkte für den Alltagsverkehr empfehlenswert", so die Einschätzung des DLR.

Es geht nicht nur im die Zahl der Säulen

Um die Situation zu verbessern und die E-Mobilität wirklich zum Selbstläufer zu machen, stehen - mal abgesehen von sinkenden Preisen für E-Autos, die aber zu erwarten sind - viele Möglichkeiten parat:

  • Die Politik müsste die rechtlichen Rahmenbedingungen verbessern, um die Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern und Wohnblocks zu regeln .

  • Die Autoindustrie entwickelt bereits Fahrzeuge mit einer Elektro-Reichweite von 500 bis 700 Kilometern. Während für den reinen Fernverkehr weiter Diesel, Benziner, Hybride oder alternativ Brennstoffzellen-Autos sinnvoll erscheinen, wären die allermeisten Alltags-Fahrten der Deutschen mit 500 Kilometern aufwärts wohl mehr als abgedeckt - eine sichere Lademöglichkeit vorausgesetzt.

  • Schnelllade-Systeme wie bei Tesla reduzieren die Zeit an der Säule auf wenige Minuten. Große Zusammenschlüsse wie die des Energieversorgers Innogy mit Audi, BMW, Daimler, Ford und Porsche arbeiten daran, ein europaweites Schnellladenetz in den kommenden zwei Jahren zu etablieren. Hier könnten aber auch Unternehmen wie Tank & Rast eine Rolle spielen: Wollen sie ihr Geschäftsmodell in den kommenden Jahrzehnten nicht verlieren, müssen sie massiv investieren . Mit dem Vorteil, dass für die Turbo-Lader keine Steuergelder investiert werden müssten, sondern die Privatwirtschaft ran muss, die bislang am Benzin- und Diesel-Geschäft ebenso prächtig verdient hat wie der Fiskus.

  • Induktive Ladesysteme (berührungsloses Laden über Kontaktflächen) verhindern den Stecker-Wirrwarr und erscheinen zuhause oder am Arbeitsplatz als sinnvolle Lösung.

  • Start-Ups wie "share and charge" wollen eine Art Airbnb für Ladesäulen anbieten. Jedermann kann dann zu einem Preis seiner Wahl seine private Ladesäule für Dritte öffnen, zu finden über eine App.

Quelle: Focus

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