Alexanderplatz - So will die Polizei die Kriminalität in den Griff bekommen


(von Andreas Kopletz)

Auf dem Alexanderplatz wird gebaut. Das neue Haus wird 70 Quadratmeter Grundfläche haben und soll sich nach dem Wunsch des Bezirksamtes farblich dem unmittelbaren Nachbargebäude anpassen: Die neue Polizeiwache entsteht direkt neben der Toilette, nahe U-Bahn-Eingang und Weltzeituhr. Zur Vorweihnachtszeit soll die neue Alex-Wache fertig sein. Rund um die Uhr soll sie permanent mit drei Polizisten besetzt sein. Insgesamt 20 Beamte der Landes- und der Bundespolizei sollen hier zusammen mit Ordnungsamtsmitarbeitern aufpassen.

Kriminalitätsbelastete Orte

Auch mit Videokameras will die Polizei im Bereich des Alexanderplatzes und andernorts die Kriminalität bekämpfen. Jahrelang war der damalige CDU-Innensenator Frank Henkel mit solchen Plänen an seinem Koalitionspartner SPD gescheitert. Nun, da die SPD selbst den Innensenator stellt, wird dies auf einmal möglich.

Innensenator Andreas Geisel (SPD), Polizeipräsident Klaus Kandt und Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) trafen sich am Donnerstag auf dem Alex zum ersten Spatenstich für die neue Wache. Der Alexanderplatz und Umgebung ist der gefährlichste Ort Berlins. Die Polizei führt ihn auf Platz Eins einer Liste von zehn „kriminalitätsbelasteten Orten“. 7820 Straftaten zählte die Polizei dort im vergangenen Jahr, vor allem Diebstähle, Körperverletzungen und Raub. Das sind fast doppelt so viele Straftaten wie im Jahr 2008. In der ersten Hälfte dieses Jahres wurden 3492 Delikte gezählt, darunter eine Rekordzahl an Körperverletzungen.

Höhere Baukosten

Die Alex-Wache solle die zentrale Anlaufstelle für Berliner und Touristen sein, sagte Innensenator Geisel beim Spatenstich. Sie solle auch das subjektive Sicherheitsgefühl verbessern, sagte Polizeichef Kandt. Der Mord an dem 20-jährigen Jonny K. im Jahr 2012 habe den Blick auf den Alexanderplatz besonders geschärft. „Dieser Ort wird dauerhaft im Fokus sein, deshalb bauen wir uns hier auf.“ Bürgermeister von Dassel freute sich, dass die Alexwache „ein Baustein „ sei, um aus dem Alex wieder einen schönen Platz zu machen. Und gab gleichzeitig zu bedenken: „Bei 360.000 Menschen, die sich hier täglich bewegen, sind die Kriminalitäts-Zahlen nicht so dramatisch.“

Dixie-Klo oder Telefonzelle

Die Kosten für die Polizeiwache, die einst auf 700.000 Euro veranschlagt waren, beziffert die Innenverwaltung auf 990.000 Euro. Schuld an der Steigerung seien der schwierige Untergrund und die damit verbundenen hohen Kosten für die Erschließung, begründet Sven Lemiss, Geschäftsführer der bauausführenden landeseigenen Immobilienmanagement GmbH. Zusätzlich vorgestellt wurde am Donnerstag auch ein Videowagen, das Gefährt, das einem Dixie-Klo oder einer Telefonzelle ähnelt, hat 360 Grad schwenkbare Kameras. Polizisten im Streifenwagen können sie per Smartphone und Laptop bedienen.

Zwei solcher Wagen in unterschiedlichen Ausführungen wurden gekauft. Sie sollen an den „kriminalitätsbelasteten Orten“ getestet werden – am Alex, am Leopoldplatz, am Kottbusser Tor, an der Warschauer Brücke und auf dem Hermannplatz. Laut Geisel schalten die Polizisten die Kameras „flexibel und anlassbezogen“ ein. „Am Alex, am Kottbusser Tor und der Warschauer Brücke ist diese Technik auch stationär denkbar“, so Geisel. „Wir werden nicht die ganze Stadt videoüberwachen.“ Die Datenmengen seien nicht beherrschbar. „Diejenigen, die das fordern, handeln populistisch, weil sie ein Sicherheitsversprechen abgeben, das niemand einhalten kann.“

Skeptisch verfolgte Niklas Schrader die Vorstellung des Videowagens. Er ist Innenpolitiker und Datenschutzexperte der Linkspartei, einem der beiden Koalitionspartner der SPD. „Stationäre Kameras haben wir im Koalitionsvertrag ausgeschlossen“, sagte Schrader. „Und wenn die Kameras jedes Wochenende ständig laufen, wäre das mehr als grenzwertig.“

Quelle: Berliner Zeitung

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