Autonomes Fahren - Straße des 17. Juni wird zur Teststrecke für Verkehr der Zukunft


Von seinem Arbeitszimmer im 14. Stock hat Sahin Albayrak schon einige Verkehrsunfälle beobachtet. „Der Ernst-Reuter-Platz ist nun mal ein komplizierter Kreisverkehr, mit dem viele Autofahrer nicht zurechtkommen“, sagt der Informatik-Professor von der Technischen Universität (TU) Berlin. Dabei gebe es Technologien, die dazu beitragen können, dass es künftig keine Unfälle mehr gibt – weder vor seinem Fenster noch anderswo. Nicht mehr lange, dann werden einige dieser neuen Techniken in Berlin erprobt – während eines Praxistests, den es in dieser Form in Deutschland bislang nicht gegeben hat. (von Peter Neumann)

Zwischen dem Ernst-Reuter-Platz und dem Brandenburger Tor wird ein Versuchsfeld aufgebaut, auf dem automatisiert und digital vernetzt gefahren werden kann. Damit baut die Hauptstadt ihren Vorsprung in diesem Bereich weiter aus. „Noch im April fällt der Startschuss“, sagt Albayrak, der das für 27 Monate finanzierte Projekt leitet.

Hilfe bei der Parkplatzsuche

Es wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert sowie vom Land Berlin unterstützt. 3,7 Millionen Euro fließen an die TU – ein Startpolster, mit dem die Straße des 17. Juni und einige Seitenstraßen zu einem einzigartigen Labor für den Verkehr der Zukunft gestaltet werden können. Auf den Autobahnen A 9 und A 93 gibt es bereits Teststrecken für autonome Autos, in Städten bisher noch nicht.

Dabei geht es in Berlin nicht nur darum, einige Stadtstraßen für Roboter auf Rädern herzurichten, die sich mit Hilfe von Sensoren und gespeicherten Daten orientieren können, ohne einen Fahrer zu brauchen. Das Forschungsvorhaben rund um die Siegessäule, das seit Monaten vorbereitet wird, hat einen größeren Rahmen. So wird es auch Autofahrern nützen, die einen Parkplatz suchen. TU-Studenten, die von einem Institutsgebäude ins andere möchten, profitieren ebenfalls. Planer bekommen neue Datenquellen. Auch Staatsgäste, die ins Regierungsviertel fahren, werden die Techniken erleben.

„Was hier entsteht, wird ein Aushängeschild für Berlin und Deutschland sein“, kündigt Albayrak an. Schon gebe es Unternehmen aus dem Ausland, die das offene System zur Erprobung eigener Produkte nutzen wollen. „Apple hat bereits Interesse geäußert“, so der 55-Jährige, der das Berliner DAI-Labor für künstliche Intelligenz leitet.

Um die neue Technik zu entdecken, wird man genau hinschauen müssen. An 16 Ampelmasten werden kleine Kästen montiert. „Das sind Road Side Units – Computer, die per Funk mit Fahrzeugen kommunizieren können“, so Albayrak. Natürlich geht es nicht nur darum, was die Ampel gerade anzeigt. „Ausgetauscht werden auch Daten über den Verkehrsfluss, freie Parkplätze in der Nähe und viele andere Informationen“, heißt es. Die Datenmenge, aus der geschöpft wird, ist riesig – „rund 40 Terabyte“, erwartet Albayrak.

Drei autonom fahrende Autos werden gekauft

Kameras nehmen die Fahrstreifen der Straße des 17. Juni ins Visier. Ohne Kennzeichen zu erfassen, registrieren sie Staus. Parkplätze entlang der fast vier Kilometer langen Ost-West-Route werden mit Sensoren ausgestattet, die anzeigen, welche Stellflächen besetzt und welche frei sind. Andere Parkplätze werden mit Kameras überwacht – ebenfalls anonym. „Es wird eine App geben, die jeder Autofahrer nutzen kann“, sagt Albayrak.

Andere Messfühler stellen fest, wie viel Feinstaub, Stickstoffdioxid und andere Schadstoffe in der Luft schweben – damit untersucht werden kann, wie sich der Verkehrsfluss auf die Luftqualität auswirkt.

Für das Testfeld, zu dem auch die Franklinstraße und die John-Foster-Dulles-Allee gehören, werden drei Autos gekauft, die autonom fahren können. Eines dieser Fahrzeuge, ein Mercedes, soll als öffentlicher Kleinbus auf der Straße des 17. Juni verkehren – zum Beispiel für Studenten. Bisher gibt es zwischen den TU-Instituten keinen Shuttle. Noch darf Technik, die Fahrer überflüssig macht, auf öffentlichen Straßen nicht eingesetzt werden. Doch für den Mercedes, einen BMW und einen Elektro-Audi wurden beim Senat Ausnahmegenehmigungen beantragt. Bei allen Fahrten sind ein Fahrer und ein Kopilot an Bord.

BVG bald fahrerlos unterwegs?

Bei Staatsbesuchen soll die Teststrecke ebenfalls genutzt werden – weshalb das Projekt „digital vernetzte Protokollstrecke“ (DIGINET-PS) heißt. Auf den letzten Kilometern könnten die Gäste der Regierung automatisiert gefahren werden, sagt Albayrak. Andere Technik sorgt dafür, dass Konvois reibungslos durchkommen. Spielereien sind möglich – etwa, dass Ampeln in den Landesfarben des Staatsgastes leuchten.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und der frühere Verkehrssenator Andreas Geisel (ebenfalls SPD) hätten sich dafür eingesetzt, dass der Versuch in Berlin stattfinden kann, lobte Albayrak. Es ist aber nicht der erste Test dieser Art.

Seit 2011 hat das Start-up Autonomos, das an der Freien Universität entstand, eine Ausnahmegenehmigung für einen autonomen VW. Auf dem Euref-Gelände in Schöneberg verkehrt seit 2016 ein kleiner Elektrobus, der sich ebenfalls fahrerlos bewegen kann. „Olli“, wie der erste autonome Linienbus in Berlin heißt, fährt bislang unfallfrei. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) denken über einen Einsatz solcher Busse nach. Sprecherin Petra Reetz: „Wir prüfen die Leistungsfähigkeit von verfügbaren automatisierten Fahrzeugen und analysieren mögliche Einsatzfelder.“ Die Zukunft des Verkehrs hat begonnen.

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/26670002 ©2017

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