Warum die Dussmann-Bosse gingen


Hinter den Kulissen des Berliner Dienstleistungskonzerns tobt ein Streit um die neue Wachstumsstrategie (Von Jürgen Stüber)

Berlin. Die überraschende Nachricht kam am Donnerstag: Die beiden Dussmann-Manager Dirk Brouwers, Vorstandschef, und Finanzchef Hans-Jürgen Meyer seien "auf eigenen Wunsch" und "mit sofortiger Wirkung" sowie "in beiderseitigem Einvernehmen" gegangen, hieß es.

Vorstandsmitglied Jörg Braesecke werde die Geschäfte des Berliner Dienstleistungskonzerns führen, bis der Vorsitz neu besetzt ist, hieß es in einer Mitteilung.

Zugleich teilte Dussmann mit, dass der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch Mitglied im Stiftungsrat wird. "Mit Roland Koch haben wir einen erfahrenen Politiker und Wirtschaftsmann gewinnen können, der beide Welten – Politik und Wirtschaft – sehr gut kennt", sagte Catherine von Fürstenberg-Dussmann, die Vorsitzende des Stiftungsrates der Dussmann Group.

Grund des überraschenden Führungswechsels sind offenbar grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten über die strategische Ausrichtung des Unternehmens. In den vergangenen Monaten war von Konflikten im Vorstand über die strategische Richtung des Konzerns zu hören gewesen. Darauf deutet auch eine Äußerung von Catherine von Fürstenberg-Dussmann. Sie kündigte in einer Unternehmensmitteilung am Donnerstag "neue Wege im operativen Geschäft" an. Ihre künftige Devise lautet, die "Neuausrichtung zu mehr Wachstum" voranzutreiben.

Der Konzern hatte im Geschäftsjahr 2015 erstmals mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz gemacht, ein Anstieg um 100 Millionen Euro oder fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Gewinnmargen erreichten in beiden Jahren 5,9 Prozent. Dirk Brouwers hatte damals die "Solidität und Werteorientierung bei der Unternehmensentwicklung" betont. "Dieses Wachstum gelang ausschließlich organisch durch stabile Kundenbeziehungen und große Neuaufträge", betonte das Unternehmen damals. Dussmann beschäftigt in 16 Ländern 63.000 Menschen im Gebäude- und Anlagenmanagement, Catering sowie in der Senioren- und Kinderbetreuung, und dem Berliner Kulturkaufhaus.

Die Ausrichtung des Konzerns war zuletzt umstritten

Seit dem Tod des Unternehmensgründers Peter Dussmann steuerte das Unternehmen einen eher konservativen Kurs, der sich mehr an Rendite- als an Wachstumsparametern orientierte. Dem Firmenpatriarchen wurden Eigenschaften nachgesagt, die an Start-up-Gründer erinnern, die mit Verve neue Märkte betreten und zunächst Wachstum wagen, bevor sie Erträge erwirtschaften. Brouwers war anders. Er hatte 2011, also noch zu Lebzeiten des Firmengründers, den Chefposten übernommen und den Konzern an der Seite von Catherine von Fürstenberg-Dussmann nach eigenen Worten wie ein "nachhaltiges Familienunternehmen", also eher konservativ geführt. Wie es in Unternehmenskreisen heißt, soll diese strategische Ausrichtung zuletzt umstritten gewesen sein. Es sei um die Frage gegangen, wie schnell das Unternehmen wachsen solle. Dahinter habe auch ein Konflikt zwischen Vorgaben der Berliner Unternehmenszentrale und Wünschen in nationalen Gliederungen des Unternehmens gestanden.

Bereits vor dem Abgang von Brouwers und Meyer gab es Umstrukturierungen in dem Konzern, die Insidern zufolge für diese These sprechen. So wurde Ende Dezember Hakan Yapici in den Vorstand der Dussmann Group berufen. Er zeichnet Bereich Dussmann Service für die Regionen Europa (ohne Dach, Italien und Luxemburg), Mittlerer Osten und Asien verantwortlich. Diesen Job hatte zuvor Pietro Auletta. Er arbeitet seit 2002 für die Dussmann Group und bleibt Landesgeschäftsführer von Dussmann Service in Italien.

Peter Dussmann hatte das Unternehmen 1963 als Heimpflegedienst gegründet. 1968 erweiterte er sein Portfolio um die Krankenhausreinigung. Anschließend internationalisierte er: zunächst nach Österreich, dann nach Italien. 1976 entdeckt er das Gebäudemanagement als Geschäftsfeld, wagt sich nach Saudi Arabien und Brasilien. 1984 kommt die Sparte Dussmann Office dazu: die Vermietung von Büros – auf Wunsch mit Personal. 1985 startet er die Pflegesparte Kursana. Nach dem Fall der Mauer wird Osteuropa neues Geschäftsfeld. 1997 startet Peter Dussmann in Berlin mit dem Kulturkaufhaus eine neue Erfolgsgeschichte. Dussmann stirbt 2013 nach mehreren Schlaganfällen. Ein Stiftungsrat übernimmt die Führung des Konzerns.

Seitdem tobt ein bis heute unentschiedener Erbstreit. Witwe Catherine von Fürstenberg-Dussmann und die gemeinsame Tochter Angela streiten um Anteile. Ein altes Testament sieht eine Vermögensaufteilung von 50/50, ein neueres Testament 75/25 zu Gunsten der Witwe vor. Catherine von Fürstenberg-Dussmann hatte das Thema bei der letzten Bilanzpressekonferenz als "Familienangelegenheit" bezeichnet. Und mit den Worten "Warten auf Godot" kommentiert.

Quelle: Berliner Morgenpost

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