Nahverkehr der Zukunft BVG testet fahrerlose Minibusse


von Markus Wächter. Noch ist Olli in Berlin ganz allein unterwegs. Aber das soll sich ändern. Der kleine Elektrobus, der keinen Fahrer braucht und seit einigen Wochen am alten Schöneberger Gasometer seine Runden dreht, soll Kollegen bekommen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen die Technik ebenfalls erproben. „Am liebsten an einem prominenten Ort, in der Innenstadt“, so BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta.

Wer erleben will, wie die Zukunft des Nahverkehrs aussehen könnte, darf gerne mitfahren – zum Nulltarif. Olli, der wie eine Brotbox auf Rädern aussieht, rollt nach einem festen Fahrplan mit Tempo 9 über den Euref- Campus in Schöneberg. Stündlich startet er im Eingangsbereich des Privatgeländes, auf dem sich Firmen und Forschungseinrichtungen angesiedelt haben. Der rollende Computer hat seine Route auswendig gelernt, Sensoren und Scanner kontrollieren sein Umfeld. Meist funktioniert die Technik – die unsanfte Begegnung mit einem Zementlaster, die ihm jüngst zustieß, hat Olli überstanden.

Ohne Menschen geht es nicht

Für den Testbetrieb des Minibusses, der vom US-Hersteller Local Motors stammt, ist die Deutsche Bahn (DB) verantwortlich. Doch 2017 könnten solche Fahrzeuge auch mit dem gelben BVG-Herz durch Berlin fahren. „Autonome Busshuttle auf abgetrennten Trassen, kurzen, definierten Strecken – so etwas halte ich für sinnvoll und möglich“, sagt Nikutta. „Ein solches Angebot würden wir gern auf einer Straße in Berlin ausprobieren, damit auch hier Erfahrungen gesammelt werden.“ Details sollen dem Vernehmen nach im ersten Vierteljahr 2017 vorgestellt werden. Mit drei Herstellern werden Gespräche geführt. Im Frühjahr könnte auch klar sein, wo die fahrerlosen Kleinbusse, die zur Sicherheit vorerst von Personal begleitet werden, eingesetzt werden. Nikuttas Präferenz ist klar: im Zentrum – damit möglichst viele Berliner und Touristen mitfahren. „Autonome Fahrzeuge können im Nahverkehr eine Unterstützung sein“, davon ist Nikutta überzeugt. Die BVG-Chefin warnt aber vor zu großen Erwartungen: „Es ist ein Thema, das stark gehypt wird.“ Im Busverkehr sei die Technik noch im Entwicklungsstadium. „Fachleute sagen, dass es noch Jahrzehnte dauern wird, bis fahrerlose Linienbusse durch Innenstädte fahren werden. Aus meiner Sicht werden auch in Zukunft Menschen nötig sein, um sich im dichten Verkehr gut zurechtzufinden. Mit der Komplexität in der Berliner Innenstadt können sie besser umgehen.“ Auf absehbare Zeit benötigen die Shuttles Flächen, die vom übrigen Verkehr getrennt sind.

Quelle: Berliner Zeitung

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