Tourismus - In Berlin sollen weitere 30 Hotels entstehen


Was finden diese Australier und Briten an Berlin besonders toll? Den Potsdamer Platz wegen der modernen Skyline, sagen sie. Und die Gaststätten dort und die tollen Geschäfte. Und das Brandenburger Tor? Der Gendarmenmark? Ja, die sind auch schön, sagen sie höflich.

Berlin wird von außen offenbar anders wahrgenommen als von den Berlinern selbst. Auch die Historie und die Teilungsgeschichte mit Mauerresten und Gedenkstätten zieht Touristen sogartig an – auch ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall. Das drückt sich in den jüngsten Zahlen zum Berlin-Tourismus aus: Nach dem Rekordjahr 2015 mit erstmals mehr als 30 Millionen Hotelübernachtungen steigen die Zahlen weiter. So besuchten im ersten Halbjahr sechs Millionen Gäste die Hauptstadt, 14,4 Millionen Übernachtungen wurden gezählt, das sind Steigerungen von drei und vier Prozent.

15.000 neue Betten

Der Tourismusboom kennt in Berlin vorerst wohl keine Grenzen. „Berlins Magnetismus bleibt ungebrochen“, so drückt es Burkhard Kieker aus, der Chef der Tourismusgesellschaft Visit Berlin. Das nimmt auch die Hotelbranche wahr und baut den Standort aus. Nach Erhebungen des Hotel- und Gaststättenverbandes Berlin (Dehoga) werden in den nächsten drei bis vier Jahren 30 neue Hotels gebaut und eröffnet: 7298 zusätzliche Zimmer sollen entstehen, die Zahl der Betten wird sich dann von derzeit 138.900 bis zum Jahr 2020 um mindestens 15.000 erhöhen.

Beispiele gibt es viele, so werden dieses Jahr Hotels in Friedrichshain am Ostbahnhof fertiggestellt. 2017 eröffnet der Estrel Tower in Neukölln mit 800 Zimmern sowie großen Kongressflächen. Im Hochhaus Upper West am Breitscheidplatz richtet die Billig-Hotelkette Motel One fast 600 Zimmer ein. Getoppt wird das noch vom Neubau hinter dem Kino Cubix am Alexanderplatz: Dort entsteht das mit 708 Zimmern größte Motel One Deutschlands. Ein Jahr später will die Hotelkette Hampton by Hilton mit zwei Häusern am Ostbahnhof und nahe Alexanderplatz erstmals Präsenz zeigen.

Zu viel für Berlin? Gibt es bald ein Überangebot? Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Berlin, sagt: Nein. Schon in den 1990er-Jahren sei angesichts der vielen Hotelneubauten Jahr für Jahr gesagt worden, der Sättigungsgrad sei erreicht. „Die hohen Übernachtungszahlen zeigen, dass der Trend, dass die Beliebtheit Berlins ungebrochen ist. Und in diesem Jahr kommen die starken Monate erst noch“, sagt er.

Berlin ist im internationalen Vergleich sehr günstig

Ähnlich sieht es Jürgen Gangl, Vorsitzender der Hoteldirektorenvereinigung in Deutschland und Chef des Park Inn am Alexanderplatz – Auslastungsquote 90 Prozent, der Berliner Schnitt liegt bei 60 Prozent. „So lange wir einen hohen Anstieg der Besucherzahlen haben und die Stadt attraktiv bleibt, benötigt Berlin neue Hotels.“ Vor zehn Jahren habe es kaum Unterkünfte im preiswerten Segment und nur wenige Fünf-Sterne-Häuser gegeben. Berlin habe im internationalen Vergleich erst aufholen müssen.

Laut Statistik gibt es 779 Hotels, vor einem Jahr waren es 803, vermutet wird, dass kleine Hotels und Pensionen dicht gemacht haben.

Derzeit profitiert die Stadt von der internationalen Lage. Nach den Terroranschlägen in Paris und Brüssel sind dort die Besucherzahlen um 20 Prozent zurückgegangen. In der Türkei sogar um die Hälfte. Gäste aus Großbritannien und Belgien kommen vermehrt hierher. „Viele Deutsche bleiben im eigenen Land. Zudem hat Berlin den Ruf, hip zu sein, jeder will die Stadt besuchen“, sagt Gangl. Hinzu komme, dass Berlin im internationalen Vergleich „spottbillig“ sei, was Hotelpreise und Lebenshaltungskosten betrifft. Paris und London sind doppelt so teuer.

Sehr moderne Häuser

Nach Einschätzung von Visit Berlin ist der Hotelmarkt jetzt auf einem „normalen Niveau“ angekommen, sagt Sprecher Christian Tänzler. „Wir haben hier aber den härtesten Hotelmarkt der Welt.“ Denn trotz der niedrigen Preise verlangen die Gäste einen Service wie in London oder Paris. Zudem sind die meisten Hotels kaum älter als fünf Jahre und sehr modern.

Auch Investoren aus dem arabischen Raum suchen Baugrundstücke, die es in der Innenstadt aber kaum noch gibt. „Seit zwei Jahren ist wieder Schwung im Markt“, sagt Thomas Hattenberger, General Manager im Westin Grand an der Friedrichstraße. Ausruhen darf sich niemand: In dem Fünf-Sterne-Haus werden nun Haustechnik und Klimaanlagen erneuert, nächstes Jahr 40 Zimmer renoviert. „In Berlin muss man Trendsetter sein, um sich am Markt zu behaupten“, sagt Hattenberger.

Will Berlin im Kampf um Touristen bestehen, muss auch das Kongress- und Messegeschäft angekurbelt werden. Ein Viertel der Gäste sind Kongressbesucher, die pro Tag etwa 30 Euro mehr ausgeben als normale Urlauber. Auch vom neuen Flughafen BER – egal wann er ans Netz geht – verspricht sich die Branche neue Impulse, weil es wohl zusätzliche Interkontinentalverbindungen geben wird.

Doch wo landet Berlin? „Wenn ich 10 bis 15 Jahre vorausschaue“, sagt Jürgen Gangl, „hat die Stadt ein Potenzial für 40 Millionen Übernachtungen jährlich.“ Immerhin ein Drittel mehr als heute.

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