Guide-Friedrichstraße: Der 100.000 Euro Schildbürgerstreich


Der Senat hat Touristen-Info-Tafeln aus Blech an öffentlichen Beleuchtungsmasten (hier vor dem Friedrichstadtpalast) in der Friedrichstraße in Mitte verboten, nachdem der Bezirk mit Hilfe von EU-Mitteln schon 100.000 Euro in das Projekt investiert hat. Man hatte den Senat vergessen zu fragen.

Wegen Verletzungsgefahr und Behinderung von Wartungsarbeiten hat der Senat dem privaten Händlerverein Die Mitte e.V. aus der Friedrichstraße 95 in Mitte verboten, ein Meter hohe Touristen-Info-Tafeln Guide Friedrichstraße aus Blech an den Lampenpfählen auf den Gehwegen in der Friedrichstraße anzubringen. Gegen den Willen des Bezirksamtes und der Bezirksverordnetenversammlung, die dafür Grünes Licht gaben, ohne allerdings den wahren Chef über die Straßenbeleuchtung zu fragen: die Abteilung öffentliche Beleuchtung bei der Sentatsverwaltung für Stadtentwicklung. Das hat man offensichtlich vergessen. Ein hausgemachter Schildbürgerstreich mit einem Schaden von bislang 100.000 Euro.

Seit zwei Jahren entwickelt der Händlerverein „Die Mitte“ ein System von Infotafeln für die Friedrichstraße. Über QR-Code (Quick Response Code) kann man von schwarz-weißen Matrixkästchen eigens gedrehte 60 Sekunden Filme mit Geschichte und Geschichten zur einstigen Trink- und Abschiebmeile und heutigen mondänen Kultur- und Geschäftsmeile abrufen und an Ort und Stelle in deutscher oder englischer Sprache auf seinem Smartphone anschauen.

Dr. Mateusz Hartwich (36), Chef des Vereins „Die Mitte“ ist verärgert: „Wir hatten das Projekt mehrfach präsentiert. BVV, Bezirk, Vattenfall und die Firma Draußenwerber stimmten zu oder hatten keine Bedenken.

Dr. Mateusz Hartwich (36), Chef des Vereins „Die Mitte“ ist verärgert: „Wir hatten das Projekt mehrfach präsentiert. BVV, Bezirk, Vattenfall und die Firma Draußenwerber stimmten zu oder hatten keine Bedenken.“ (Film über Friedrichstraße Deutsche Welle)

Der Senat will erst durch eine Presseanfrage im Sommer 2015 von dem Vorhaben erfahren haben. In einer E-Mail, so die Berliner Woche aus der Wilhelmstraße 139 in Kreuzberg, habe Evelyn Hoffschröer, Chefin für Öffentlichen Beleuchtung in der Senatsbauverwaltung, dem Community Manager des Vereins Die Mitte, Dr. Mattheusz Hartwich, nach einem Gespräch mitgeteilt: Die Schilder dürfen nur an Laternenmasten angebracht werden, an denen weder Verkehrsschilder, Ampeln, Werbeschilder, Papierkörbe oder irgendwas anders hängen. „Und die gibt es in der Friedrichstraße nicht“, so Dr. Hartwich.

Mehr als 100.000 Euro sind aber bereits in das Projekt geflossen; bezahlt je zur Hälfte von den Anrainern und mit Fördergeldern aus dem EU-Tourismus-Topf Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE). Man fühlte sich auf der Höhe der Zeit.

In Japan werden heute bereits mehr als 30 Prozent der Inhalte über das Smartphone per QR-Code abgerufen: Click and know. Seit 2010 sind solche Tafeln in den Hackeschen Höfen in Mitte der Renner.

Sie laufen auch in der Kulturbrauerei in der Schönhauser Allee 36-39 in Berlin Prenzlauer Berg sehr erfolgreich. Allerdings sind sie dort nicht an öffentlichen Laternen befestigt.

Entwickelt wurden die Berliner Guide-Tafeln an den beiden Berliner Standorten von der LOTSENHAUS Media GmbH aus der Schwedter Straße 349 in Mitte.

Und auch für die Friedrichstraße hat die LOTSENHAUS Media GmbH im Auftrag des Vereins Die Mitte schon alles fertig.

14 Tafeln an sieben Punkten beiderseits der Friedrichstraße sollten Infofilme per QR-Code auf Smartphones von Besuchern liefern – der Senat stoppte das schon bezahlte Projekt wegen Gefährdung des Verkehrs. Schaden: 100.000 Euro (Karte: Guide-Friedrichstraße.de)

Der Plan sieht wie folgt aus: Am Beginn der Friedrichstraße im Norden (Ecke Torstraße) und an der Ecke Leipziger Straße im südlichen Teil der Friedrichstraße sollten an diesen beiden Standorten Filme abrufbar sein, die das Guidesystem den Smartphone-Besitzern erst einmal erklären.

An fünf weiteren Punkten dazwischen erfahren die Besucher dann Wissenswertes:

Vor dem Friedrichstadtpalast sollte es den Infofilm geben:

„Revue – von den wilden 20er Jahren zur Moderne“.

Vor dem Bahnhof Friedrichstraße heißt der Film:

„Bahnhof – Zentralbahnhof und Grenzstation“.

Vor dem Kaufhaus Dussmann mit jährlich 3 Millionen Besuchern hätte es gegeben:

„Literatur – Theodor Fontane und die Intellektuellen“.

Am U-Bahnhof Französische Straße, der die künftige Kanzler-U-Bahn kreuzt:

„Neue Konzepte von damals bis heute“.

Auf Höhe Gendarmenmarkt: „Aufbruch – vom kalten Krieg in eine neue Blütezeit“.

„Durch das Leitsystem werden die Orte wie an einer virtuellen Perlenkette miteinander verbunden, wodurch die Vielfalt des Quartiers erlebbar und die Berliner Mitte um eine Attraktion reicher wird“ verkündete Vereinschef Dr. Hartwich.

Doch im öffentlichen Straßenland will der Senat so etwas nicht.

„Das Leitsystem greift gravierend in den Betrieb der öffentlichen Beleuchtungsanlagen ein.“ Die Schilder würden die Klappen an den Beleuchtungsmasten verdecken, Wartungsarbeiten behindern und eine Unfallgefahr darstellen, schrieb Bausenator Andreas Geisel (SPD) an seine Parteifreundin Martina Matischok. Die SPD-Fraktionschefin in der BVV Mitte ist auch Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses und kämpft vehement für das Pilotprojekt.

Im einstimmig beschlossenen BVV-Beschluss „Guide Friedrichstraße realisieren! Umgehend!“ heißt es, dass Vattenfall und die Firma Draußenwerber, die ganz oben an den Masten Werbeschilder haben, keine Bedenken haben und zugestimmt hätten. Auch würden die Wartungszugänge nicht blockiert.

Doch die Hoheit über die Laternenmasten hat nun mal die Abteilung Öffentliche Beleuchtung beim Senat. Und die hätten der Verein, das Bezirksamt und die BVV vor Beginn des Projekts fragen müssen.

Der private Touri-Guide wird wohl auch deshalb beim Senat auf Granit beißen, weil der Senat ebenfalls Pläne für ein Guide-System in der Schublade hat. Und zwei Guide-Systeme seien nicht erwünscht.

Bausenator Andreas Geisel schlägt dem Händerverein Die Mitte e.V. vor, doch die Tafeln in den Schaufenstern der beteiligten Gewerbetreibenden anzubringen.

Quelle: Berlin Journal

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