Jetzt sollen die Straßenbahnen ganz Berlin erobern


Berlins Verkehrssenator Andreas Geisel will neue Strecken für die Tram bauen lassen. Sie sollen auch wieder verstärkt im Westteil der Stadt fahren. Die Morgenpost zeigt die möglichen Routen. (von Thomas Fülling)

Gleich als erste öffentliche Amtshandlung hat Berlins neuer Verkehrssenator Andreas Geisel Mitte Dezember die Straßenbahn zum Hauptbahnhof eröffnet. Geht es nach dem 48-jährigen SPD-Politiker, werden in den nächsten Jahren gleich mehrere neue Tram-Strecken hinzukommen.

Einige der Neubau-Trassen sollen dann auch explizit in den Westteil der Stadt führen, der seit fast 50 Jahren weitgehend straßenbahnfrei ist. Ende der 1960er-Jahre waren dort alle Tram-Linien eingestellt worden, weil sie dem boomenden privaten Autoverkehr im Wege standen. Bei den öffentlichen Verkehrsmitteln setzte der Senat stattdessen auf den Omnibus und die U-Bahn.

Doch inzwischen stehen Berlins Busse immer häufiger und immer länger im Stau. Und der Bau neuer Tunnel und U-Bahnhöfe ist von einer hoch verschuldeten Kommune wie Berlin kaum noch zu stemmen. Zudem sorgt der U-Bahn-Bau, wie der U5-Lückenschluss in Berlins historischer Mitte gerade zeigt, für jahrelange Einschränkungen im ohnehin infarktgefährdeten oberirdischen Straßenverkehr.

Zustimmung und Kritik

Der Berliner Fahrgastverband Igeb begrüßte den Kurswechsel des Stadtentwicklungssenators. "Da hat Andreas Geisel unsere uneingeschränkte Unterstützung", sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Vor 70 Jahren hätte Berlin rund 600 Kilometer Straßenbahngleise in der Stadt, heute seien es gerade noch 190 Kilometer. "Doch wir sind nicht etwa aus nostalgischen Gründen für mehr Straßenbahnverkehr", betont Wieseke. Tram-Bahnen seien nicht nur umweltfreundlicher, sondern auf vielen Strecken in der Stadt auch deutlich wirtschaftlicher als der Bus. Auch die Fahrgäste würden von dem Konzept profitieren – von mehr Platzangebot und von mehr Zuverlässigkeit.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) begrüßen ausdrücklich Geisels Initiative. "Wir finden alles gut, was uns hilft, noch mehr Fahrgäste zu gewinnen", sagte Vorstandschefin Sigrid Nikutta der Berliner Morgenpost. Bis 2017 werde die BVG ihre Straßenbahnflotte soweit modernisieren, dass nur noch barrierefreie Niederflur-Fahrzeuge unterwegs seien. Die alten Tatra-Bahnen hätten dann ausgedient.

Kritik an den Plänen gab es hingegen vom Koalitionspartner CDU. "Seine Wunschträume nach neuen Straßenbahnen scheinen ihm den Blick für die Realitäten zu verschleiern. Statt täglich über neue Projekte zu fantasieren, sollte Stadtentwicklungssenator Geisel lieber die übernommenen Baustellen seines Hauses abarbeiten", erklärte CDU-Generalsekretär Kai Wegner.

Fünf Projekte will der Andreas Geisel jetzt ernsthaft angehen. An einigen Plänen arbeitet die Verwaltung bereits seit einiger Zeit, andere Projekte ließ der Senator aus der Schublade holen. Die Berliner Morgenpost stellt sie kurz vor:

Tram-Strecke zum Kulturforum

Konkrete Pläne für eine Verlängerung der Straßenbahn vom Alexanderplatz zum Potsdamer Platz hat der Senat bereits seit Anfang der 1990er-Jahre. Bereits im Jahr 2000 wurden hierfür etwa 70 Meter Gleise in der Leipziger Straße verlegt. Damals protestierte jedoch unter anderem der dort ansässige Bundesrat, der zusätzliche Staus auf der wichtigen Ost-West-Verbindung befürchtete. Das Projekt wurde prompt auf Eis gelegt, von Geisel nun aber wiederbelebt. Es gibt mehrere Varianten für die Streckenführung, Vorzugsvariante ist die 3,7 Kilometer lange Trasse über Rathausstraße, Spandauer Straße und Leipziger Straße. Kosten: rund 32 Millionen Euro. Baubeginn: nach Ende der U-Bahn-Bauarbeiten Unter den Linden, also frühestens 2019. Langfristig ist eine Verlängerung der Straßenbahn bis nach Steglitz in der Diskussion.

Tram-Strecke vom Hauptbahnhof zum U-Bahnhof Turmstraße

Ziel ist eine bessere Anbindung Moabits an den Hauptbahnhof und an die Innenstadt. Dafür soll die im Dezember 2014 in Betrieb genommene Gleistrasse zum Hauptbahnhof verlängert werden, entweder gerade über Alt-Moabit (2,05 Kilometer) oder über Rathenower Straße und Turmstraße am Moabiter Kriminalgericht vorbei (2,21 Kilometer). Kosten je nach Trassenverlauf zwischen 18,5 und 19,6 Millionen Euro. "Wir sind für die Nordvariante, weil sich die Strecke später einmal besser in Richtung Nordwesten verlängern lässt", sagte Igeb-Sprecher Wieseke. Eine Entscheidung über den Linienverlauf soll nach Abstimmung mit dem Bezirk Mitte spätestens im Sommer fallen, kündigte Geisel jetzt an. Dann folgt das Planfeststellungsverfahren. Ein Baubeginn ist indes noch nicht absehbar.

Straßenbahn-Anbindung Ostkreuz

Seit 2006 lässt die Deutsche Bahn den Bahnhof Ostkreuz (bekannt als "Rostkreuz") komplett umbauen, ab 2017 sollen dort nicht nur S-Bahnen, sondern auch Regionalzüge halten. Der Senat wünscht sich schon seit Längerem, dass der Bahnknoten (bis zu 130.000 Fahrgäste) auch mit der Tram erreicht werden kann. Vorgesehen dafür ist nun eine 1,8 Kilometer lange Neubaustrecke zwischen Wühlischplatz und Marktstraße. Kosten: 15 Millionen Euro. Gegen die Trasse über die Sonntagsstraße regt sich vehementer Widerstand der Anwohner, die Straßenbahnlärm und Parkplatznot befürchten. Zustimmung gibt es vom Fahrgastverband. "Das ist auf jeden Fall realistischer als die seit Kurzem diskutierte U1-Verlängerung zum Ostkreuz", sagte Igeb-Sprecher Wieseke. Geisel will, dass noch in diesem Jahr das Planfeststellungsverfahren beginnt, damit spätestens ab 2019 die Züge der Tram-Linie 21 am Ostkreuz halten können.

Straßenbahn-Neubau Wista II

Um die Erreichbarkeit der sogenannten Wissenschaftsstadt Adlershof (Wista) mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu verbessern, plant Geisel einen Lückenschluss zwischen der Endhaltestelle Karl-Ziegler-Straße in Adlershof (Linie 60 und 61) und dem S-Bahnhof Schöneweide. Auch hier gibt es mehrere Trassenideen, Vorzugsvariante ist die 2,7 Kilometer lange Verbindung über den Groß-Berliner Damm. Dass diese Trasse fast parallel zur S-Bahn verläuft, hält Igeb-Sprecher Wieseke für vertretbar. "Anders als die S-Bahn kann die Tram die Feinerschließung der neuen Wohngebiete übernehmen."

Straßenbahn Mahlsdorf

Ein Uralt-Projekt ist die Verlegung der Endhaltestelle der Straßenbahn an den S-Bahnhof Mahlsdorf. Geisel will nun auch die Planung für den zweigleisigen Ausbau der Straßenbahn in Mahlsdorf wieder aufnehmen lassen, der künftig einen 10-Minuten-Takt ermöglichen soll. Der eher dörflich geprägte Marzahn-Hellersdorfer Ortsteil ist eine überaus beliebte Wohngegend, viele Einfamilienhäuser sind in den letzten Jahren hinzugekommen. Die Kosten für die 1,7 Kilometer lange Vorzugsvariante über die Hönower Straße werden von Geisel aktuell mit 5,3 Millionen Euro veranschlagt.

Quelle: Berliner Morgenpost

#USBahn #AndreasGeisel #Alexanderplatz #BVG #LeipzigerStraße

DIE MITTE e.V. - 360° Berlin 

Friedrichstraße 95, 10117 Berlin

T:  030 20962390

M: info@die-mitte.berlin

  • https://www.facebook.com/DieMitte.Be
  • DIE MITTE bei twitter
  • linkedin.com/company/die-mitte-berli
  • XING
  • DIE MITTE News Feed
  • Instagram
  • DIE MITTE auf Youtube