Senat blockiert Friedrichstraße mit Straßenbahn


Zwei Linien wurden in die Schlagader der Hauptstadt geleitet und sorgen für Dauerstau. ADAC und Wirtschaft fordern jetzt eine Lösung des Verkehrsproblems.

ie ist nach Kudamm und "Linden" Berlins berühmtester Boulevard: die Friedrichstraße. Doch der Glanz ist von ihr abgefallen, das Leben aus Läden und Kneipen verschwunden. Grau liegt sie da zwischen S-Bahnhof und Invalidenstraße. Schuld an der Ödnis ist indes nicht allein die Zeit des Sozialismus, sondern ein Einfall des Berliner Senats. Der renovierte für viel Geld alte Tramgleise auf der Magistrale und führte zwei Linien von Osten herein, die jeweils im Norden an der Schwarzkopf- und im Süden an der Dorotheenstraße in einer großen Schleife kehrt machen und wieder dorthin fahren, wo sie hergekommen sind. Gigantische Haltestellen mit Designerlampen wurden für die Blindgänger-Bahn mitten auf die Fahrbahn aufgebaut, zum Beispiel vor dem Friedrichstadtpalast. Dort bekam die Tram zwei Drittel des Straßenquerschnitts, für die Autos blieb in jeder Richtung nur eine magere Fahrspur von der Breite eines Waldwegs.

"Der Verkehrswert dieser Tram ist minimal", drückt sich der CDU-Verkehrspolitiker Alexander Kaczmarek vorsichtig aus und unterdrückt nur mit Mühe seinen Zorn über die törichte Planung. Kaczmarek: "Eigentlich wäre eine Stilllegung der Strecke logisch gewesen." Doch das sahen die verantwortlichen Politiker der SPD anders. Getrieben von einer Basis, die die ökologischen Vorteile der "Elektrischen" pries, setzten sich sowohl der legendäre frühere Bausenator Wolfgang Nagel als auch der jetzige Verkehrssenator Peter Strieder massiv für die Schienen mitten auf der Straße ein.

Nur noch 12.000 Fahrzeuge täglich werden in der "stillgelegten" Friedrichstraße heute gezählt. Das sind nach Ansicht von Experten zwei Drittel weniger, als es auf dieser wichtigen Verkehrsachse eigentlich sein müssten. Wo blieb der Rest? Die Antwort ist einfach: in den Nebenstraßen. Ströme von Schleichverkehren blockieren längst alle kleinen Adern in Mitte. Achselzuckend muss Strieders Sprecherin Petra Reetz verkünden, die Durchlässigkeit der Friedrichstraße für private Pkw sei zugunsten der Straßenbahn bewusst gering gehalten worden.

Doch das will die Berliner Wirtschaft nicht mehr klaglos hinnehmen. Die Straßenbahn schränke "die verkehrliche Situation" auf unerträgliche Weise ein, schimpft Gerd Bretschneider, Geschäftsführer der Fuhrgewerbe-Innung Berlin. "Die Tram auf der Friedrichstraße ist eine mittlere Katastrophe", empört sich Wolfgang Wruck, Vorsitzender der Taxi-Innung Berlin. Er spricht für tausende Droschkenfahrer, die in Sachen Straßenbahn schon lange keinen Spaß mehr verstehen, denn der "Tram-Stau" kostet sie bares Geld. Sie bekommen zu spüren, wenn das Friedrichstraßen-Chaos auch die Umgebung lahmlegt. Wruck: "Aus den Nebenstraßen kommt dann keiner mehr raus".

Die Geschäftsleute bekommen den Stau ebenso deutlich zu spüren. Stundenlang warten sie auf Lieferanten- und Botenfahrzeuge, die einfach nicht durchkommen. Rainer Boldt, den Vorstandsvorsitzenden der IG Friedrichstraße, ärgert dabei besonders die südliche Schleife, auf der die Bahn an der Dorotheenstraße gemütlich ihre Endrunde dreht. Boldt: "Hier werden durch die Tram gleich mehrere Kreuzungen blockiert."

"Die Friedrichstraße", fasst Jörg Becker vom ADAC Berlin-Brandenburg zusammen, "ist für Berlins Autofahrer das Ärgernis Nummer eins." Der Verkehrsexperte wundert sich, dass während der Bauarbeiten an den Tramlinien kein "Schienenersatzverkehr" angeboten wurde, wie sonst üblich. Stattdessen habe die BVG auf die unter der Straße fahrende "U 6" verwiesen. Becker: "Sonderlich aufgefallen ist es niemandem, dass die Tram nicht fuhr. Also ist sie überflüssig."

Quelle: Welt am Sonntag

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